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Dr. med. Christine Gess Allgemeinmedizin, Akupunktur, Naturheilverfahren Dr. med. Ludwig Gess Internist, Hausarzt, Psychotherapeut Dr. med. Klaus Röttger Internist, Hausarzt, Akupunktur, Manuelle Medizin, Naturheilverfahren, Ernährungsmedizin Informationsblatt zur Behandlung mit Marcumar
Anwendung und Wirkung
Antikoagulantien (Cumarine, z.B. Marcumar) werden zur Vorbeugung und Therapie bei
Erkrankungen wie z.B. Embolien und Thrombosen oder Vorhofflimmern eingesetzt, um die Gerinnungsfähigkeit des Blutes zu reduzieren. In Deutschland müssen sich ca. 300 000 bis 500 000 Menschen einer Antikoagulationstherapie unterziehen. Cumarine sind Gegenspieler des Vitamin-K und beeinflussen damit die Bildung der Gerin-
nungsfaktoren II, VII, IX und X sowie weiterer für die Blutgerinnung wichtiger Eiweißstoffe in der Leber. Durch Einnahme von Marcumar kann die Gerinnungsfähigkeit des Blutes ge- zielt gesenkt werden. Die Wirksamkeit des Medikaments wird mit Hilfe des sog. INR (früher Quick-Wert1) bestimmt. Der dabei ermittelte INR-Wert liegt bei Gesunden um 1, bei optimaler Dosierung des Cumarinpräparates zwischen 2 und 3. Dabei bluten Sie bei einer Verletzung nicht 2 – 3 x soviel, sondern 2 – 3 x solange. Deshalb muss das Medikament sehr genau und für jeden individuell dosiert und die Wirkung regelmäßig überprüft werden. Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin, das in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln in
unterschiedlichen Konzentrationen vorkommt. Vitamin K1 ist besonders reichlich in grünem Gemüse enthalten. Aber auch in Milch und Milchprodukten, Muskelfleisch, Eiern, Getreide und Früchten finden sich Vitamin-K-wirksame Verbindungen. Verluste bei der Speisenzube- reitung sind gering, da Vitamin K gegen Hitze und Sauerstoff relativ unempfindlich ist. Da- gegen wird das Vitamin durch Einwirkung von Tageslicht rasch zerstört. Verbindungen mit Vitamin-K-Wirkung sind für die Bildung von auf die Blutgerinnung einwirkenden Proteinen notwendig. Nur in Gegenwart von Vitamin K können diese in der Leber synthetisiert wer- Essen und Trinken
Patienten unter einer Antikoagulationstherapie brauchen keine besondere Ernährungsweise
oder Diät einzuhalten. Es gelten die Empfehlungen der DGE für eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung. Auf Vitamin-K-reiche Lebensmittel muss nicht verzichtet werden,                                                              1 Der Quick-Werte unterschiedlicher Labore weicht bis zu 15 % nach oben oder unten ab, und sind somit meist nicht miteinander vergleichbar. Deshalb wurde ein normierter, besser vergleichbarer Wert, die INR weltweit eingeführt. Je höher der INR-Wert desto niedriger der Quick-Wert und umgekehrt.  Gemeinschaftpraxis Dres. Gess/Röttger  da der Vitamin-K-Gehalt vernachlässigt werden kann. Eine extrem einseitige Kost ist je- Die Empfehlung in vielen Beipackzetteln, den Verzehr von Vitamin-K-reichen Lebensmit- teln einzuschränken, bzw. auf Vitamin-K-reiche Lebensmittel zu verzichten, ist nicht ge-
rechtfertigt. Bei der Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten ist eine Vi-
tamin-K-arme Ernährung nicht erforderlich und in der Praxis nur schwer zu realisieren. Auch muss berücksichtigt werden, dass die Angaben des Vitamin-K-Gehaltes in den einzel- nen Lebensmitteln aufgrund verschiedener Analysenmethoden stark variieren. Die Berech- nung des Vitamin-K-Gehaltes eines Speiseplanes hat daher nur eine orientierende Bedeu- Empfehlung für die Praxis
In einer Reihe von klinischen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass selbst
durch Verzehr größerer Mengen an Vitamin-K-reichen Lebensmitteln der INR-Wert nicht oder nur unwesentlich beeinflusst wird. Für Patienten unter Antikoagulationstherapie z.B. mit Marcumar gibt es daher keinen Grund, auf Vitamin-K-reiche Lebensmittel, wie Le-
ber, Spinat, Brokkoli, Weiß-, Rot-, Grün- und Blumenkohl, zu verzichten. Es wird eine
abwechslungsreiche, dem Energiebedarf angepasste Kost nach den Richtlinien der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfohlen. Eine Änderung der Ernährungsweise, z.B. eine plötzliche Umstellung von einer "normalen" Ernährung auf eine sehr fettarme Kost oder auf eine Kost, die reich an Blattgemüsen ist, sollte trotzdem möglichst vermieden werden. Auf eine Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, z. B Vitamin-K-haltigen Multi- vitaminpräparaten ist zu verzichten, bzw. deren Einnahme ist mit dem behandelnden Arzt zu klären. Ebenso sollten größere Mengen Alkohols vermieden werden. Wechselwirkung mit anderen Medikamente
Viele Medikamente verändern den INR-Wert. z.B. kann die Einnahme von Antibiotika zu Veränderungen des INR-Wertes führen, so dass häufigere Kontrollen der Blutgerinnung notwendig sind. Bevor ein zusätzliches Medikament eingenommen werden soll, ist es des- halb wichtig, mit dem Arzt darüber zu sprechen! Auf ASS (ASS ratiopahrm, Aspirin), Rheuma-Mittel wie Ibuprofen (z.B. IbuHexal) oder Diclo- fenac (z.B. Diclofenac ratiopharm, Voltaren) und Vitamin-K-Präparate muss man verzich- ten, da hierdurch ebenfalls die Blutgerinnung beeinflusst wird. Ärztliche/Zahnärztliche Behandlung
Weisen Sie jeden Arzt darauf hin, dass Marcumar eingenommen wird. Dies gilt auch für Pflegepersonal, Masseure und Fußpfleger. Achten Sie darauf, dass möglichst keine Spritzen Verletzungen und Unfälle

Gemeinschaftpraxis Dres. Gess/Röttger  Bei kleineren Verletzungen besteht in der Regel keine Gefahr (Spielen, Rasieren, Hausar- beit). Bringen Sie einen geeigneten Verband auf die Wunde und drücken Sie für einige Mi- nuten. Es blutet gewöhnlich länger, aber die Blutgerinnung ist nicht völlig aufgehoben. Bei spontanen Blutungen, d.h. Blutungen, die ohne erkennbare Ursache beginnen (Nase, Zahn- fleisch, blaue Flecken, Blut im Stuhl oder Urin), setzen Sie sich bitte sobald wie möglich mit einem Arzt in Verbindung. Bei stärkeren Blutungen muss sofort ein schnell wirkendes Gegenmittel verabreicht werden. Dieses ist in allen Krankenhäusern vorrätig. Langsam wirkende Gegenmittel (Vitamin K) brauchen nicht mit sich geführt zu werden! Veränderte Lebens-und Ernährungsgewohnheiten können zu INR-/Quick- Wert-Schwankun- gen führen, so daß INR-/Quick-Wert-Bestimmungen gerade auch im Urlaub sehr wichtig sind. An den meisten Urlaubszielen können diese Untersuchungen durchgeführt werden. Bezüglich der Vergleichbarkeit der QuickWerte ist Vorsicht geboten (siehe oben). Die Mar- cumar Wirkungskontrolle sollte sich daher am INR-Wert orientieren. INR-/Quick-Wert-Selbstbestimmung
Für einige Patienten, die ihr Leben lang Marcumar einnehmen (z.B. nach Herzklappener- satz), gibt es die Möglichkeit den INR Wert zuhause selbst zu bestimmen. Voraussetzung ist die Teilnahme an einer Schulung sowie eine Kostenübernahmeerklärung Ihrer Kranken- kasse. Mit einem eigenen Gerät erlernen Sie, die INR-Wert-Bestimmung regelmässig selbst Quellen:
1. Biesalski H K: Vitamin K (Mena- und Phyllochinon). In: Biesalski H K, Fürst P, Kasper H, Kluthe R, Pölert W, Puchstein C, Stähelin H B (Hrsg): Ernährungsmedizin. Thieme Verlag, Stuttgart (1999) 130-134 2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung (Hrsg): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. 1. Auflage, 1. korri- gierter Nachdruck, Umschau/Braus Verlag, Frankfurt am Main (2000) 95-99 3. Harris J E: Interaction of dietary factors with oral anticoagulants: Review and applications. J Am Diet Ass 95 (1995) 580-584 4. Kasper H: Ernährungsmedizin und Diätetik. Urban & Fischer Verlag, München (2000) 5. Koller F: Spinat bei Antikoagulantienbehandlungen. Dtsch med Wschr 100 (1975) 6. Shearer M J: Vitamin K. Lancet 345 (1995) 229-234 7. Somogyi J C: Antivitamine - ihre Bedeutung in der Ernährung und Therapie. Ernäh- 8. Suttie J W: Vitamin K and human nutrition. J Amer Diet Ass (1992) 585-590

Source: http://pdgr.de/pdf/infoblatt_marc.pdf

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