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Georg Franzen (Hrsg.)
Kunst und
Seelische Gesundheit
mit Beiträgen von
Georg Franzen | Ruth Hampe | Karl Hörmann Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KGZimmerstr. 1110969 Berlinwww.mwv-berlin.de Bibliografi sche Information der Deutschen Nationalbibliothek
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Produkt-/Projektmanagement: Judith Kautz, Berlin Lektorat: Monika Laut-Zimmermann, Berlin Layout & Satz: eScriptum GmbH & Co KG – Publishing Services, BerlinDruck: druckhaus köthen GmbH, Köthen Zuschriften und Kritik an:MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Zimmerstr. 11, 10969 Berlin, lektorat@mwv-berlin.de 11 Musiktherapie
Wer je von Zahnschmerzen geplagt wurde oder auf dem Höhepunkt einer Grip-pe angekommen war oder auch nur von einer Wespe oder Bremse gestochen wurde – wohl jeder kann hier mitreden –, der würde auf den Ratschlag, sich einfach gesund zu singen oder seine Lieblingsmusik anzuhören, mit Unver-ständnis reagieren. Leider wird oftmals suggeriert, mit Singen, Musizieren und Musikhören sei eine Heilung möglich. Es sei daher aus dem unter Mit-wirkung von Dr. Mag. Gerhard Tucek, Leiter der Altorientalischen Musikthe-rapie in Krems und Vorstandsmitglied des BKMT, am 5. 6.2008 beschlossenen Österreichischen Musiktherapiegesetz, dem einzigen in Europa, das am 1. 7.2009 in Kraft tritt, zitiert: „(1) Die Musiktherapie ist eine eigenständige, wissenschaftlich-künstlerisch-kreative und ausdrucksfördernde Therapieform. Sie umfasst die bewusste und geplante Be-handlung von Menschen, insbesondere mit emotional, somatisch, intellektuell oder sozial bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszustände, durch den Einsatz musi-kalischer Mittel in einer therapeutischen Beziehung zwischen einem (einer) oder meh-reren Behandelten und zu einem/einer) oder mehreren Behandelnden mit dem Ziel 1. Symptomen vorzubeugen, diese zu mildern oder zu beseitigen oder2. behandlungsbedürftige Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern oder3. die Entwicklung, Reifung und Gesundheit des (der) Behandelten zu fördern und zu erhalten oder wiederherzustellen. (2) Die Ausübung des musiktherapeutischen Berufes besteht in der berufsmäßigen Ausführung der im Abs. 1 umschriebenen Tätigkeiten, insbesondere zum Zweck der 1. Prävention einschließlich Gesundheitsförderung,2. Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen, 3. Rehabilitation,4. Förderung von sozialer Kompetenz einschließlich Supervision sowie5. Lehre und Forschung.“ Unstreitig wirkt Musik. Auf dieser Alltagserfahrung basiert aber auch das in Deutschland herrschende Ausmaß an zweifelhaften Praktiken (Hörmann, 2001; Hörmann, 2008). Nimmt man die Häufigkeit von Seitenabfragen bei Google als Indikator für die Bedeutung von deutschsprachigen staatlich anerkannten Musiktherapie-angeboten, dann steht an erster Stelle Heidelberg, gefolgt von Hamburg, wo-hingegen alle anderen so gut wie nicht gefragt sind (Müller-Greif 2008), dar-unter auch der einzige, kürzlich aufgelöste Studiengang zur Kindermusikthe-rapie nach dem Ansatz von Nordoff/Robbins. Tatsächlich gehen den im Hin-blick auf die allenthalben verlangte Evidenzbasierung erfolgreichsten Weg das Deutsche Musiktherapie-Zentrum und der mit ihm verbundene Studiengang Musiktherapie der Stiftung Rehabilitation in Heidelberg. Hier wird darauf geachtet, dass das, was musiktherapeutisch zum Einsatz kommt, auch ge-messen und evaluiert werden kann.
Zu bedenken ist zunächst, dass die Gesetzmäßigkeiten von Mensch und Musik in ein stimmiges Verhältnis zueinander gebracht werden müssen. Friedrich von Hardenberg Novalis’ Erkenntnis, „jede Krankheit ist ein musikalisches Problem, die Heilung eine musikalische Auflösung“, deutet auf komplexe Sachverhal-te hin, die die Einstellungen und Verhaltensweisen betreffen, aber über die bloße rationale und handwerkliche Machbarkeit von Musik hinausweisen. Gemeint war damals jene blaue Blume der Frühromantiker, die einer Hiero-glyphe gleich eine Botschaft enthält, die nicht unbedingt semiotisch ent-schlüsselt, aber durchaus erspürt werden kann. Franz Grillparzer sprach spä-ter von der nota sensibilis, die das Leuchten der Augen des in sich ruhenden und versunkenen armen Spielmanns hervorruft, wo doch der Vorübergehende nur ein jämmerliches Quietschen der Geige vernimmt. Es ist also keineswegs verkehrt, Klänge mit Assoziationen und Fantasien zu verbinden und in ihnen dem verborgenen, sich durchaus erschließenden Un-bewussten nachzuspüren. Abzulehnen ist das Reduzieren auf Sexualität wie auch jene vermeintliche, nicht minder abstruse mechanistische Analogie.
Musik kann vernebeln, ein ozeanisches Gefühl erzeugen oder eine Empfin- dung des Abhebens und Fliegens in transzendente grenzenlose Weiten erfah-ren lassen; sie kann wie eine Klangtapete etwas übertünchen oder mit einer akustischen Decke buchstäblich zudecken und – je dichter und lauter sie ist – die innere Stimme und sogar das eigene Schreien ersticken. Wenn das Nerven-system nicht überreizt ist, was bei leisesten Frequenzen schon der Fall sein kann, dann bietet die unermeßliche Funktionsvielfalt von Musik alles, was das neuronale, psychische und kommunikative Geschehen begleiten und unterstützen, aber auch behindern und brutalst bekämpfen kann. Wer akut leidet, dessen Nervenkostüm ist derart gereizt, dass schon das leiseste Geräusch störend und gar schmerzhaft empfunden wird. Musik, und sei sie ansonsten noch so gern gehört, ist dann nichts weiter als Lärm. Lärm aber stellt die billigste und brutalste Form von Folter dar. Nicht umsonst hat ihn die Genfer Konvention geächtet, was die Israelis 2002 nicht daran gehin-dert hat, den unter Hausarrest stehenden Palästinenserpräsidenten Jassir Ara-fat wochenlang durchgängig Tag und Nacht in maximaler Lautstärke zu be-schallen (Hörmann, 2004, 43).
Wer Musik zu ertragen in der Lage ist und sie gar genießen kann, und sei es nur zeitweilig, der fühlt sich in dieser Zeit nicht wirklich krank. Hier ent-faltet Musik jedweder Art die von ihr erwarteten Wirkungen. Doch hängen sie stets in erster Linie vom Rezipienten selbst ab. Dessen somatischer Zu-stand, Erfahrung und Persönlichkeitsfaktoren bedingen weitgehend, welche Art von Musik er bevorzugt und wie tiefschürfend er die musikimmanenten Wirkungsfaktoren erlebt. Nicht zu kommunizieren ist nicht möglich (Paul Watzlawick). Beziehungen verlangen organisierendes Handeln. Musik kann dieses verhindern. Der Di-rigent etwa nimmt dem Chor und dem Orchester das eigenständige Denken ab und zwingt zum Unisono. Seine Eigenständigkeit aufzugeben im Sinne der gemeinsamen Gestaltung eines Werks gilt als höchste Herausforderung, um ganz in ihm zu versinken und es zu erfassen. Improvisation ist keineswegs das Nonplusultra von Musiktherapie. Ein akut Erkrankter will meist seine Ruhe. Zur Kreativität ist er kaum fähig, für menschliche Zuwendung dagegen immer dankbar. Wo ein Nahestehender fehlt oder enttäuscht, kann Musik bzw. Musiktherapie in gewisser Weise aus-helfen durch ablenkendes oder kompensierendes Anhören eines im Moment geeigneten Musikstücks (das dann abrufbereit zur Verfügung stehen sollte) oder durch das Sicheingliedern in eine musizierende Gruppe, wenn es der Zu-stand erlaubt, oder indem am Krankenbett gesungen und musiziert wird, was Wachkomapatienten erwiesenermaßen vollauf mitbekommen. In der Psychotherapie empfiehlt sich die Differenzierung der Funktionen von Musik nach den üblichen drei Stufen Remoralisierung, Remediation und Rehabilitation.
Remoralisierung soll Zuversicht, Glauben an sich selbst, Optimismus, Hoff- nung und Vertrauen in die eigenen Ressourcen wie auch in die ärztliche Kunst vermitteln und damit eine erfolgreiche compliance mit dem Therapeuten her-stellen. Im Zustand von Entspannung, Gelassenheit und aktivem Mittun kann der künstlerische Therapeut anhand diverser Spiele die entscheidenden Krite-rien finden, ohne die Patienten Tests und Befragungen unterziehen zu müs-sen. Das Weiterbildungsstudium Musiktherapie an der Medizinischen Fakul-tät der Universität Münster mit dem vom Ministerium genehmigten Abschluss diplomierte(r) Musiktherapeut(in) versteht diese besonders bedeutsame Stufe als Phase der musikpsychologischen Diagnostik.
Remediation widmet sich dem eigentlichen Leiden. Sie umfasst eine immen- se Spannweite an methodischen Ansätzen. Je klarer das Ergebnis der auf Be-wegungsbeobachtung fußenden Diagnostik ausfällt, desto zielstrebiger kann das individuelle Therapieziel angegangen werden. In dieser Stufe der Erleb-nisvertiefung ist nur ein kompetenter, vielseitiger Musiker in der Lage, die musikalischen Substanzen, Komponenten und Gefüge so subtil und diffizil auszuloten, dass die Problematik des Patienten musikspezifisch verfolgt wer-den kann. Rehabilitation ermöglicht die Anwendung der in der zweiten Stufe gelernten Fertigkeiten und dient zur Kontrolle, ob sie im Ernstfall angemessen abgeru-fen werden können. Mögliche Situationen werden in der auf Kompetenztrai-ning ausgerichteten Handlungsaktivierung simuliert. Diese kann rhythmisch gegliederte Impulse mit Temposteigerung, etwa beim kontrollierten Wieder-erlernen von Bewegungen nach einem Schlaganfall ebenso umfassen, wie die Befähigung zur gedrillten Unterordnung mit Hilfe euphorisierender Musik oder das für Straftäter entwickelte Antiaggressionstraining durch lautes Sin-gen von Liedern von einer Brücke herab, womit sowohl die sentimentalen Seiten als auch das Selbstwertgefühl entwickelt werden sollen (Kistler, 2008).
Musiktherapeutische Ansätze finden sich in der Kinder-, Jugend- und Ge- rontopsychiatrie, Sozial- und Pädiatrie, Inneren Medizin, Neonatologie, Neurologie, Onkologie, in Kur- und Rehabilitationskliniken, Altenheimen, Nachsorgeeinrichtungen und sozialpsychiatrischen Einrichtungen, darüber hinaus in der Prävention, wozu die Kinder-, Jugend- und Altenarbeit sowie Beratungsstellen zählen, und in der Entwicklungsförderung wie Behinderten-einrichtungen, Frühförderung, Sonder-, Förder- und Integrationsschulen und -tagesstätten und Heimen bis hin zu abrufbarerer Musiktherapie auf Rä-dern.
Wichtigste Eigenschaft für das vielseitig genutzte Wirkungsspektrum von Musik ist der Umstand, dass Schall zu Musik wird, indem er im Augenblick des Erklingens Vergangenheit und Gegenwart verbindet, also Erinnerungen assoziiert und Erwartungen weckt und diese entweder erfüllt oder enttäuscht. Das gesamte musikalische Geschehen gründet dabei auf unsichtbaren, nur beim aufmerksamen Hören mit- und rekonstruierbaren Bewegungsspuren (Hörmann, 2006). Diese werden von den ständig sich mehr oder weniger än-dernden und unterschiedlich dominierenden Bewegungsfaktoren Raum (Am-bitus, Tiefe, Harmonik), Kraft (Lautstärke, Dynamik, Artikulation) und Zeit (Tempo, Metrum, Takt, Rhythmus, Agogik und diesbezüglichen Ausführungs-anweisungen wie crescendo, decrescendo, ritardando, accelerando, stretto, allegro) bestimmt. Diese drei Hauptfaktoren mit ihren zwischen polaren Aus-prägungen wechselnden Elementen, die meist wie in der Bildenden Kunst analog zur aus „Punkt, Linie zu Fläche“ (W. Kandinsky, 1925) bestehenden Graphik mit ihrem Vorrang vor dem potentiellen Bedeutungsträger Farbe wichtiger als Instrumentation und Klangfarbe sind, gewinnen in der oftmals hochkomplex konstruierten Konkretion des musikalischen Gefüges erst ihren besonderen Sinn und ihre hochsubtile Wirkung. Das organische oder beab-sichtigt gegenteilige Fließen des so bedingten musikalischen Verlaufs, bewirkt jene musikimmanente Psychoenergetik, die ihrerseits zur Resonanz beim dazu bereiten und fähigen Rezipienten führt. An der mangelhaften Resonanzfähigkeit des Hörers liegt es meist, wenn die Musik nicht ankommt. Wenn dieser vom eigenen Leid so sehr belastet ist, dass er sich allen Einflüssen verschließt, dann hilft auch keine Musik mehr. Somit wird deutlich, dass von Therapie erst dann die Rede sein kann, wenn sich jemand darum kümmert, die nötige Öffnung und Flexibilität in Einstel-lung und Verhalten herzustellen, damit Resonanz überhaupt stattfinden kann und – hirnphysiologisch ausgedrückt – die Spiegelneuronen tätig werden kön-nen. Oder ein anderes Beispiel: Prozac, das täglich 40 Millionen Menschen schlu- cken, ist zur Behandlung von Depression so gut wie wirkungslos (Stöcker, 2008), hat aber zahlreiche Nebenwirkungen, die das Schlucken weiterer Me-dikamente mit weiteren Nebenwirkungen bedingen. Grund für Depression ist laut Bettina Pfleiderer (2003) meist Sauerstoffmangel. Dieser wird schlicht durch Bewegung (Tanz) behoben.
Bewegung fördert die Resonanzfähigkeit, d. h., die Reagibilität auf äußere Einflüsse. Resonanz meint das Zurücktönen bzw. die Verstärkung einer Sti-mulanz zum akustischen Respons, und zwar auf der physikalischen (somati-schen) Plattform wie aber auch auf der psychischen, kognitiven und sozial-integrativen (kommunikativen) Ebene. Um physische und emotionale Reso-nanz zu erleben, reicht mitunter bereits die Vorstellung von Musik, die zum lästigen Hörwurm ausarten kann (Sacks, 2008). Resonanzfähigkeit ist die Vo-raussetzung zum spontanen wie auch zum überlegten, mehr oder weniger ganzheitlichen Reagieren und Verstehen. Welche Resonanz ausgelöst wird, läßt sich aufgrund des Phänomens der selektiven Wahrnehmung nicht ohne weiteres beantworten. Wie ein Klavier- oder Orgelstimmer das Instrument so intoniert, dass es die erwünschte phy-sikalische Resonanz erzeugen kann, so muss auch in der Musiktherapie als Angewandter Musikpsychologie die Selektion von Frequenzen, kognitiven Einstellungen und Beziehungsmustern im Hinblick auf die Intonation ihrer Reagibilität untersucht werden. Als „tönend bewegter Form“ (Hanslick, 1854) braucht der Musik keinerlei Bedeutung zuzukommen (Sacks, 2008).
Für die Untersuchung (Diagnostik) von Reagibilität und kognitiver Reso- nanz bietet sich die Aktivierung von Bewegungsfaktoren nach der Kognitions-formel A B C (adversity, belief und consequence) an. Indem eine Dreierkombi-nation von Bewegungselementen eine Reaktion C (Emotion usw.) herausfor-dert, wird diese auf die ihr zugrundeliegende Einstellung B hin untersucht und auf ihre Übereinstimmung oder Abweichung mit der sozialen Norm im Dreieck von Struktur, Effort (Emotion) und Umwelt hin analysiert. Sollte eine Korrektur bzw. Bearbeitung (Umstrukturierung, Therapie) not- wendig sein, erfolgt diese durch disputation D zum Erreichen des Effekts einer neuen energy E. Die Disputatio beschränkt sich in der nonverbalen Therapie nicht auf die sprachliche Verarbeitung, sondern zielt in erster Linie auf die Pragmatik, d. h., auf die in den Psychotherapien meist vernachlässigte wei-tere Kategorie neben Semantik und Syntax in der Semiotik nonverbaler Zei-chen, wie sie für den Umgang mit Musik hauptsächlich infrage kommen.
Hierbei wäre das Wort Musikpsychologie zu betrachten als Musik-Psychologie, das die im Klanggeschehen bzw. in der Partitur beschlossene immanente Bot-schaft, den Gehalt (Semantik und Grammatik) meint, und als Musik-Psycho-logie, worunter die Verwendung einer solcherart gezielt ausgesuchten Musik als klanggewordener Semiotik im Hinblick auf das individuelle (Psycho-)The-rapieziel gemäß der Bedürfnislage des Klienten/Patienten unter Berücksich-tigung seiner physischen, psychischen und sozialkommunikativen Disposi-tion und Erfahrungen verstanden wird.
Hinsichtlich des für die künstlerischen Therapien besonders geeigneten RES-Bewegungsbeobachtungsinstrumentariums (Hörmann, 2004) wird die kognitionstherapeutische Formel A B C D E nonverbal bzw. durch Musik auf zweierlei Weise angewandt: „ deduktiv: Das musikalische Wirkungspotential wird in seine Bewegungs- „ induktiv: Die Kombination von Bewegungsfaktorenelementen erzeugt ein Klangbild, das in seiner Fortsetzung einen graphisch darstellbaren rhythmisch energetischen Schwingungsverlauf erzeugt. Beide Vorgehensweisen lassen sich zum freien oder gerichteten, intendierten Improvisieren oder Variieren über ein vorgegebenes Thema nach den vier Modi nutzen: kongruent, analog, kontrastierend und autonom. Um den letzten, eigentlich erstrebenswerten Modus anwenden zu können, müssen die vorher-gehenden drei beherrscht werden.
Ob das aktive Musizieren – einzeln, im Partner- oder Gruppenspiel/Chor – als Hingabe an das Klanggeschehen oder als kreatives Ausprobieren und Ge-stalten von Klängen und musikalischen Strukturen oder als nachvollziehendes vokales oder instrumentales Erfassen von musikalischem Gehalt oder als mo-difizierende Stellungnahme dazu gewählt wird, hängt von den jeweiligen Er-fordernissen in den eingangs vorgestellten drei Phasen einer Psychotherapie ab. Die vorgestellten diagnostischen Kriterien gewährleisten ein am indivi-duellen Therapieziel orientiertes, stets lebendiges, berührendes und wissen-schaftlich fundiertes Singen, Musizieren und Musikhören. Antonio Damasio (2000, 112) erläutert dazu: „Stellen Sie sich das Verhalten eines Organismus als die Darbietung eines Orchester-stücks vor, dessen Partitur während der Aufführung erfunden wird. Wie die Musik, die Sie hören, von vielen Instrumentengruppen erzeugt wird, die zusammenspielen, so ist das Verhalten eines Organismus das Ergebnis mehrerer biologischer Systeme, die zusammenarbeiten … Ich gehe von der Annahme aus, dass es auch im privaten Geist eine Orchesterpartitur gibt, nur dass hier die gleichzeitige Überlagerung musikalischer Stimmen den Vorstellungsströmen entspricht … Es gibt jedoch eine besondere musi-kalische Stimme in der inneren Orchesterpartitur, für die es keine exakte äußere Ent- sprechung gibt: Das ist die Stimme des Selbst-Sinns, der entscheidenden Komponen-te jedes Bewusstseinsbegriffs.“ Damasio gliedert das Verhalten des Menschen in die Notationssysteme: All diese Systeme können mit Musik vielfältig erreicht und trainiert werden. General-, Kontrabass und musikalisches Fundament dieses Zusammenspiels aber ist die Fähigkeit zum Wachsein, d. h., zu Reagibilität und Resonanz. Diese auf ihre Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten hin zu verfolgen, erfordert besondere Ausbildung: „Zwar lassen sich alle diese Manifestationen durch angemessene Reize hervorrufen, beobachten, auf Videoband aufzeichnen und mit verschiedenen Apparaten messen, doch muss ich darauf hinweisen, dass die qualitative Beurteilung durch geschulte Be-obachter ein unentbehrliches Werkzeug der Verhaltensanalyse ist.“ Musiktherapeuten wären gut beraten, über den eigenen Zaun zu blicken und immer wieder das Gemeinsame und Besondere ihres Tuns zu reflektieren, wozu die Zeitschrift MTK (1988 ff.) Gelegenheit bietet. Um die notwendige Fä-higkeit zum Erspüren zu professionalisieren, bedarf es der Kenntnis diagnos-tischer Methoden, vor allem solcher, die weder umfangreiche Assessment Pro-files noch Wissenschaftlichkeit vorspiegelnde elektronische Apparate nötig haben (www.lehrmusiktherapie.de). Wissen kommt schließlich von vide-re = sehen. Dies war bereits die Auffassung von Friedrich Hölderlin, der sich der geistigen Umnachtung durch ausgiebiges Klavierspiel zu widersetzen suchte: „Lerne im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben. Siehst du das eine recht, siehst du das andere auch.“ Musiktherapiespezifischer hat es der Komponist und Philosoph Friedrich Nietzsche ausgedrückt: Musik ist „das Von-Selber-Ertönen der tiefsten Einsamkeit Ein Leben ohne Musik wäre ein Irrtum.“ Literatur
Damasio Antonio R (2000). Ich fühle, also bin ich. München: List.
Freud Sigmund (1914/1994). Der Moses des Michelangelo. (Studienausgabe Bd. 10)): Frankfurt a. M.: Fischer.
Goll Harald (1993). Heilpädagogische Musiktherapie. Frankfurt: Lang.
Hartogh Theo (2003). Analogie oder Homologie? Eine Replik auf H. Smeijsters „Analogie als Kernkonzept der Musiktherapie“. In: Musik-, Tanz- und Kunsttherapie 14, 158–166.
Hörmann Karl (2001). Wenn künstlerische Therapien schaden. In: Bertolaso, Y. (Hrsg. ). Musik-, Kunst- und Tanz- therapie. Qualitätsanforderungen in den künstlerischen Therapien. Paroli: Münster, 261–295.
Hörmann Karl (2004). Musik in der Heilkunde. Lengerich: Pabst.
Hörmann Karl (2006). Bewegungsspuren als Mittel zur Evaluation von Musiktherapie. In: Musik-, Tanz- und Kandinsky Wassily (1925, 1958). Punkt und Linie zu Fläche. Bern: Haupt.
Müller-Greif Julian (2008). Eine Googleyse zur Musiktherapie. In MTK 1, S. 22–25.
MTK (1988 ff. ). Musik-, Tanz- und Kunsttherapie. Zeitschrift für Künstlerische Therapien im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen. Göttingen: Hogrefe. www.hogrefe.de/mtk Pfl eiderer Bettina u. a. (2003). Neurotrophic Effects of Electroconvulsive Therapy: A Proton Magnetic Resonance Study of the Left Amygdalar Region in Patients with Treatment-Resistant Depression.
Neuropsychopharmacology 28, 720–725.
Sacks Oliver (2008). Der einarmige Pianist. Über Musik und das Gehirn. Reinbek: rowohlt.
Stöcker Christian (2008). Forscher bezweifeln Wirkung von Prozak. www.spiegel.de/wissenschaft/ mensch/0,1518,537832,00.html [26. 2.2008].

Source: http://www.kreativtherapien.de/Musiktherapie-Studium/aus_Franzen_Musiktherapie.pdf

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First CJKMI(Oct., 1999, Suzhou, China) Beijing: Xue Yuan Publishing house © 1999. All right reservedProceedings of The F irst China-Japan-Korea Joint Symposium on Medical Informatics(CJKMI’99),1999,177-181 HCSL: a Human-Computer Commonly Understandable and Communicatable Medical Language Han-Fei Bao computer network center Shanghai University of Traditional Chinese Me

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